Yoga, damals und heute

500 bis 900 vor Christus

Die Rishis (heiligen Männer) Nordindiens empfingen in Versenkung "das heilige Wissen" von den Göttern. Daraus entstand über viele Jahrhunderte eine weitläufige Textsammlung, die Vedas. Die darin beschriebenen Götter und Mythen waren sehr naturnah, Agni das heilige Feuer und Surya die lebensspendende Sonnenkraft spielten eine zentrale Rolle.

Die Praxis des Yoga bestand aus Askese und Mystik und war den Rishis vorbehalten. Über Willenskraft und Selbstdisziplin wurde der Zugang zu Gott erreicht. (Rishis standen jahrelang auf einem Bein, verharrten zwischen Feuersgluten, oder lebten nackt in Höhlen im Himalaya)

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900 bis 300 vor Christus

Texte dieser Zeit sind die Upanischaden und Brahmanas
Überlegungen über das Verhältnis zwischen Brahman (der höchsten göttlichen Einheit) und Atman (das individuelle Selbst)

TAT TVAM ASI Du bist das, du bist das Göttliche.
Wichtigste Gottheiten, die in den Epen beschrieben werden sind: Brahma (Schöpfer)  Vishnu (Erhalter)  Shiva (Zerstörer). Detaillierte Erörterung der psychischen und materiellen Welt

Um Christi Geburt

Die Yogasutren des Weisen Patanjali (den Überlieferungen zufolge halb Mensch, halb Schlange), ist ein auch heute noch aktueller Weg der Geistesschulung und Selbsterkenntnis (Üben der Yogapraxis und Loslassen hinderlicher Konzepte). Besonders prägend war und ist der achtgliedrige Pfad Asthangayoga oder Raja- (Königs)yoga:

yama = Haltung gegenüber der Umwelt: Ahimsa (überlegtes und behutsames Umgehen mit allem, was lebt), Satya (aufrichtige Verständigung) asteya (Nichtbegehren von Dingen, die uns nicht gehören) brahmacarya (Mäßigkeit in allem Tun) aparigraha (Beschränken auf das, was gebraucht wird, und nur nehmen, was einem zusteht)
niyama = Haltung gegenüber sich selbst: asauca (Reinheit von Körper, Geist und Umgebung), samtosa (Zufriedenheit mit dem Vorhandenen), tapas (Lösen von Blockaden im Körper und Geist durch das Einhalten von Disziplin), svadhaya (Studium und Überprüfen der eigenen Entwicklung), isvara-pranidhana (Erfurcht vor einer höheren Kraft)
asana = rechte Sitzhaltung während der Meditation (fest, aufrecht und angenehm)
pranayama = Atem-Achtsamkeit, Unterbrechung unbewusster Atemmuster
pratyahara = Zurückziehen der Sinne von der äußeren Welt
dharana = Sammlung des Geistes auf ein Objekt
dhyana = ununterbrochene Ausrichtung auf dieses Objekt
samadhi = Verschmelzung mit dem Objekt, daraus entsteht nirbija samadhi,der Geist trägt keine Eindrücke mehr in sich und nichts verschließt sich ihm. Er ist vollkommen durchlässig, frei von Widerständen und allen Eindrücken der Vergangenheit.

Yoga, damals und heute

200 nach Christus

Bhagavad-Gita (heiliges Buch).

Gott Krishna unterweist den Krieger Arjuna auf dem Schlachtfeld in der Geistesschulung und dem Weg der Selbsterkenntnis.

Darin aufgeführt die Grundlagen des Yogaübungsweges (Sadhana):

  • Karmayoga       Yoga bewussten Handelns
  • Jnanayoga        Yoga der Erkenntnis, Studium heiliger und philosophischer Texte
  • Bhaktiyoga       Yoga der liebenden Hingabe an das Göttliche, des Glaubens, Vertrauens und der Liebe

 

1100 nach Christus

begründete der Weise Goraksa die Hathayogatradition, die u.a. durch Einflüsse aus den Upanischaden, Patanjali, dem Tantrismus und Buddhismus entstanden ist.

Vormals war die Yogapraxis körpernegierend. Jetzt ist der Körper Mittel und Werkzeug zur Selbstverwirklichung, um ein "in diesem Leben Befreiter" Jivanmukta zu werden. Hierbei fand totale Meisterung autonomer Abläufe wie Atemgeschehen und Stoffwechsel statt, der Alterungsprozess wurde aufgehalten und "Unsterblichkeit" erlangt.

Hathayoga harmonisiert die polaren Kräfte: Ha- die Sonne (Aktivität, Bewegung, der Einatem, Licht, Tag) und Tha- den Mond (Ruhe, der Ausatem, Festigkeit, Entspannung, Dunkelheit, Nacht). Es entsteht ein Zustand aktiver Ruhe oder ruhender Aktivität und das Wissen um eine

Yoga, damals und heute

feinstoffliche Physiologie
1. Nadis, feinstoffliche Kanäle durchziehen den Körper (es existieren ca. 70000 bis 350.000)

die drei wichtigsten sind:

  • Ida - Nadi                Mondbahn          beginnt am linken Nasenloch, verläuft links der Wirbelsäule
  • Pingala - Nadi        Sonnenbahn       beginnt am rechten Nasenloch, verläuft rechts der Wirbelsäule
  • Susumna - Nadi    Kundalinibahn    beginnt am Ende der Wirbelsäule, verläuft im Zentrum der Wirbelsäule

2. Chakras (Räder) sind feinstoffliche Energiezentren in der Ebene der Wirbelsäule.

Die sechs Chakras entsprechen dem spirituellen Aufstieg vom erdgebundenen Basis-Zentrum zum lichten Kopfzentrum. Das siebte (Kronenchakra) entspricht bereits der transzendenten Befreiungsebene. Allen Chakras sind bestimmte Farben, Klänge, Symbole, Qualitäten, Elemente, Körperbereiche und Funktionen zugeordnet. Die in den jeweiligen Regionen vorhandenen Drüsen fungieren als Mittler zwischen den Chakren und dem Körper.

3. Kundalinikraft, die als "eingerollte Schlange" im Wurzelchakra schläft. Wird sie z.B. durch Hathayoga geweckt, steigt sie durch das Susumnanadi nach oben und aktiviert die Chakren. Den Chakren zugeordnete Qualitäten werden entwickelt.

Die zentralen Elemente des Hathayoga:

  • Asanas: Körperübungen mit vielfältige positiven Wirkungen s.u., es existieren ca. 84 Grundformen
  • Dhautis:  Reinigungsübungen von Nase, Augen, Verdauungsorganen durch Wasserspülungen und Öleinläufe
  • Pranayama: Atemübungen zur Reinigung der Nadis, die Energien werden bewußt im Körper gelenkt,  und zur Erweckung der Kundalinikraft.
  • Mudras (Siegel): Hand-Kopf und Körperhaltungen als äusserer Ausdruck inneren Erlebens.

Ziel des Hathayoga ist es, immer durchlässiger in Körper und Geist zu werden, sodass sich das Selbst in Gott auflöst und Samadhi, endgültige Befreiung erlangt wird.

 

Yoga, damals und heute

Transfer in die heutige westliche Welt

Wirkungen auf der körperlichen Ebene:

Die Asanas wirken dem Bewegungsmangel entgegen
Abbau muskulärer Ungleichgewichte (Schwäche/Verspannungen)
Erlangen einer aufgerichteten und ökonomischen Körperhaltung
Aufbau von Kraft und Flexibilität
Anregung von Herz/Kreislauf und Stoffwechsel
Stimulierung von Verdauung und Ausscheidung durch Atemübungen und Bewegung.
Schulung von Gleichgewicht und Koordination
die beiden Gehirnhemisphären werden durch diagonale Bewegungen über die Körpermitte vernetzt und verbunden
exakte, feine Ausführung verstärkt die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskulatur (Feinmotorik, Bewegungsästhetik)
Bewegung wirkt gegen den Abbau von Muskelmasse und Knochendichte im Alterungsprozess
Regeneration und Erholung in der Tiefenentspannung, das Immunsystem ist abhängig von Botschaften aus dem Gehirn. Die Vorstellung goldweißen Lichtes im Körper stärkt des Immunsystems
Energieerhöhung durch Atemlenkung, -vertiefung und dynamischen Atem
Stressabbau, durch Bewegung werden Stresshormone und -symptome verringert
Erlernen von Entspannungsfähigkeit, dadurch sinken Herz-Kreislauf und Atem-frequenz, mentale Ruhe, emotionale Ausgeglichenheit
Verbindung von Körper, Geist und Seele über die Atembeobachtung

 

Wirkungen auf der Mentalebene

 innere Sammlung, durch Meditation, wie in den Yogasutren 5. - 8. beschrieben kommt der Geist zur Ruhe
im entspannten Üben "kommt das Gehirn zur Ruhe", charakteristisch hierfür sind wohlige Empfindungen, ruhiges, fliessendes Denken, zuversichtliche Stimmung, Integration von Kopf und Körper

die rechte, kreative, bildhafte, intuitive Gehirnhälfe wird angesprochen über Körperwahrnehmung, Vorstellungsbilder und Visualisationen
Schulung des inneren, neutralen Beobachters
Selbsterkenntnis, Erkennen und Auflösen alter, hinderlicher Denk-Verhaltens- und Reaktionsmuster
vom analytischen, trennenden zum ganzheitlichen, verbindenden Denken
dynamische Abläufe (Karanas) führen über den Atem- und Bewegungsfluss zu Harmonie und innerer Stille, "der Geist kommt zur Ruhe"
Sinnfindung im Leben, Herzensgüte

 

Wirkungen auf der Emotionalebene

Zugang zu alten Emotionen, im Körper gespeicherte Erinnerungen können aufsteigen, der Gefühlspanzer löst sich auf, evtl. begleitende Therapie
emotionale Ausgeglichenheit, auch in stressigen Momenten
Selbstwertsteigerung, Vertrauen in die eigene Stärke
Herzensgüte und Selbstliebe

 

Wirkung auf der Spirituellen Ebene

Rückbindung an innere Qualitäten wie Herzenswärme, Gelassenheit, Achtsamkeit, Frieden, Liebe und Mitgefühl
Rückkehr zur Weisheit des Bauches, der Intuition, Einkehr nach innen
Bewußtwerdung der im Kapitel Hathayoga beschriebenen feinstofflichen Physiologie
Aufstieg der Kundalinienergie, Verbindung zwischen Himmel und Erde, der Krone mit den Wurzeln, visionäre Gedanken können Fuss fassen
Rückkehr in ein freiheitliches und selbstbestimmtes Leben und Lieben.